Handlesen

Hokuspokus oder seriöses Wissen?

Die Handlesekunst (bzw. Handanalyse) ist fast so alt, wie die Menschheit selbst. Der Wunsch des Menschen, sein Schicksal vorhersagen zu können oder mehr über sich und dem eigenen Naturell zu erfahren, ist bereits seit dem klassischen Altertum bekannt. Keine Hand gleicht in ihrer Form und dem Verlauf ihrer Linien der anderen. Durch diesen Umstand schienen die Hände besonders gut dafür geeignet, um Rückschlüsse auf die gesundheitliche Veranlagung, spezielle Charaktereigenschaften oder zukünftige Ereignisse zu ziehen. So kommt auch die Redensart nicht von ungefähr: "Das Schicksal liegt in deiner Hand". Sicherlich gibt es Personen, die dem ganzen Thema skeptisch gegenüberstehen und die das Ganze als Hokuspokus abtun. Aber auf der anderen Seite hat sich die Kunst des Handlesens über die Jahrtausende trotz einiger Widrigkeiten bis heute erhalten.

Ein Blick auf die Geschichte

Die Tradition des Handlesens findet sich in fast allen Kulturen wieder und reicht weit zurück in die uns bekannte Historie. Alle früheren Hochkulturen wie beispielsweise China, Ägypten, Babylonien und Indien praktizierten die Kunst des Handlesens. Auch aus dem antiken Griechenland und dem Römischen Reich sind Überlieferungen bekannt. Im 18. Jahrhundert war die Handlesekunst noch ein Studienfach an einigen deuschten Universitäten. Doch mit der zunehmenden Industrialisierung der Neuzeit in Deutschland und der westlichen Welt wurde dieses Wissen endgültig verdrängt und galt lediglich als Weissagung. Eine Entwicklung, die Bereits zur Zeit der Aufklärung im 17. und 18. Jahrhundert begann. Die Handleser waren nun allenfalls auf der Kirmes anzutreffen oder sie arbeiteten im Verborgenen. Bis heute hat sich das Handlesen nicht vollständig von diesem Imageverlust erholt.

Ganzheitliche Betrachtung

Für den Handlese-Profi ist die Betrachtung einer Hand vergleichbar mit der Seite von einem geöffneten Buch, in dem er lesen kann. Er hat die Fähigkeit, mit ihrer Hilfe das Wesen, den Charakter und die Einzigartigkeit der betreffenden Person zu erkennen. Bei der Deutung spielt die ganzheitliche Betrachtung eine große Rolle. Zuerst schaut sich der Handleser beide Hände an und macht sich ein Bild von deren Beschaffenheit. Er begutachtet die Handform, die Physiognomie der Finger und Nägel und fühlt, ob die Haut trocken, feucht, warm oder kalt ist. Erst danach wendet er sich den Details zu. Die linke Hand zeigt dabei die mitgebrachten Anlagen, die rechte Hand gibt Auskunft über den Verlauf des bisherigen Lebens. Bei Linkshändlern ist das natürlich umgekehrt. Auch die Voraussagung des Schicksals scheint möglich zu sein und damit ein Blick auf Ereignisse in der Zukunft. Allerdings unterscheiden sich hier deutlich zwei Bereiche: die Chirologie und die Chiromantie.

Historisch sind zwei Formen des Handlesens zu unterscheiden:

Chirologie

Die Chirologie setzt sich aus dem altgriechischen Wort Chiro (Hand) und Logie (Lehre) zusammen und bedeutet die Lehre der Handlesekunst. Diese Technik ist für jedermann erlernbar und beruht auf wissenschaftlichen Erfahrungen. Der Chirologe gewinnt Erkenntnisse über die Vitalität und Gesundheit eines Menschen sowie über die Persönlichkeit und den Charakter.

Eine bekannte Chirologin ist Charlotte Wolff, die Handabdrücke vieler prominenter Personen untersucht und basieren darauf psychologische Theorien zur Hand entwickelt und in den 1930er Jahren im französischen Magazin Minotaure veröffentlicht hat.

Chiromantie

Die Chiromantie wiederum leitet sich ebenfalls von Chiro (Hand) ab, aber gefolgt von dem Wort Mantie (Manteía). Dies ist das altgriechische Wort für Weissagung und deshalb ist damit das Weissagen aus der Hand gemeint. Hier wird das Handbild für die Deutung der Zukunft genutzt und gewisse Ereignisse vorausgesagt. Der Chiromantiker verfügt in der Regel über eine hohe Intuition und Spiritualität.

Die Bedeutung der Handlinien

Jede Hand weist die einmaligen Merkmale des Besitzers auf. So werden Personen beispielsweise durch einen Fingerabdruck identifiziert, da die Rillen an den Fingerkuppen unverwechselbar sind. Es gibt in einer Hand eine Vielzahl von Linien, Bergen und Gitternetzen, die beim Handlesen alle ihre Bedeutung haben. Zu den bedeutsamen Linien gehören die Lebenslinie, Kopflinie, Herzlinie und die Schicksalslinie, die das berühmte "M" in dem Handteller bilden. Sie sind so gut wie bei jedem Menschen in individueller Ausprägung vorhanden. Daher werden sie als Hauptlinien bezeichnet und hier kurz vorgestellt.

Video

In diesem Video demonstriert eine Expertin ihre Fähigkeiten im Handlesen. Außerdem werden die wichtigsten Linien kurz erklärt.

Alternativ hier die gleiche Information in Bild & Text:

Die 7 wichtigsten Handlinien
(Lizenz: Free Art License)
Diese Grafik zeigt die wichtigsten Handlinien:
  1. Lebenslinie
  2. Kopflinie
  3. Herzlinie
  4. Gürtel der Venus
  5. Sonnenlinie
  6. Merkurlinie
  7. Schicksalslinie

Weitere Visualisierungen der Handlinien gibt es hier:


Die Lebenslinie (Vitalis)

Die Lebenslinie beginnt zwischen dem Daumen und dem Zeigefinger und sie umschließt den Daumenballen. Ist sie lang und ausgeprägt, weist das auf eine robuste Konstitution sowie körperliche und psychische Vitalität hin. Ist sie kurz oder unterbrochen, kann sie für Störungen im Gesundheitsbereich stehen. Eine gewisse Disposition zu Krankheiten ist durchaus erkennbar. Übrigens kann kein seriöser Handleser den Tod oder den Sterbezeitpunkt eines Menschen vorhersagen, das gehört in das Reich der Legenden.

Die Kopflinie (Celebralis)

Auch die Kopflinie beginnt zwischen Daumen und Zeigefinger in Höhe der Lebenslinie und verläuft quer durch den Handteller. Wie der Name es bereits sagt, wird sie im Zusammenhang mit dem Kopf, also auch mit dem Verstand und der Intelligenz gesehen. Je nach Ausprägung steht sie für den Intellekt der Person und gibt Hinweise auf die Ausrichtung des Denkens, ob eher eine kreative, rationale oder logische Denkweise überwiegt.

Die Herzlinie (Emotionalis)

Die Herzlinie beginnt etwas unterhalb des kleinen Fingers und verläuft meistens waagerecht in Richtung des Zeigefingers. Das Herz ist der Sitz unserer Gefühle und Emotionen. So hat diese Linie vorwiegend mit dem Gefühlsleben und der Fähigkeit zum Lieben zu tun. Der Handleser erkennt anhand dieser Linie, wie die Veranlagung zu tiefen Gefühlen und Treue, einer glücklichen Partnerschaft oder dem Liebesglück generell ist.

Die Schicksalslinie (Saturnalis)

Die Schicksalslinie beginnt in der Regel in der Mitte des unteren Handbereiches und endet idealerweise unter dem Mittelfinger. Manchmal ist sie kaum vorhanden oder unterbrochen. Sie gibt Auskunft über unseren Schicksalsweg, ob das Leben gradlinig verläuft oder ob einschneidende Umbrüche stattfinden.

Fotos

Ein indischer Handleser bei der Arbeit
Ein indischer Handleser bei der Arbeit (Lizenz: Stig Nygaard)

Eine Handleserin ließt die Lebenslinien einer Kundin
Eine Handleserin ließt die Lebenslinien einer Kundin (Lizenz: Frank Kovelchek)

Hände mit deutlich sichtbaren Handlinien
Hände mit deutlich sichtbaren Handlinien (Lizenz: Nate Steiner)

Ein Hellseher
Wo Hände gelesen werden, sind auch Hellseher meist nicht weit (Lizenz: velvettangerine)

Alles vorherbestimmt?

Glückliche und zufriedene Personen gehen selten zu einem Hand- oder Horoskop-leser. Normalerweise sind es Menschen mit großen persönlichen Schwierigkeiten oder scheinbar unlösbaren Problemen, die den Kontakt zu einem Handleser suchen. Sie erhoffen sich eine positive Wendung in ihrem Leben oder einen Fingerzeig zur Lösung ihres Dilemmas. Ein seriöser Anbieter wird ihnen mit viel Feingefühl einen Spiegel ihres Charakters vorhalten und mögliche Wege aus der Krise aufzeigen. Das Leben ist nicht in dem Maße vorbestimmt, dass keine Änderung des Lebensweges möglich ist.

Wo finde ich einen Handleser?

Sollte genügend Nachfrage bestehen, werden wir hier in den nächsten Monaten ein Verzeichnis von Handlesern aud Deutschland, Österreich und der Schweiz aufbauen. Genereller Tipp wenn: Bei andere spirituellen Dienstleistern nach jemandem fragen, der das Handlesen anbietet.