Minotaure

Minotaure (fr. Minotaure, Minotauros) war in den 1930er Jahren, während der Hochphase des Surrealismus, ein surrealistisches Künstlermagazin in Frankreich.

Die Gründung des Minotaure erfolgte im Februar 1933 durch die Verleger Albert Skira und Stratis "Tériade" Eleftheriadis in Paris. Die Chefredakteure waren Pierre Mabille und André Breton.

Bedeutung für das Handlesen

In Minotaure publizierte die Chirologin Charlotte Wolff, die sich u.a. mit dem Psycho-Chirologen Julius Spier austauschte, den ersten Entwurf ihrer psychologischen Theorie der Hand.

Selbstverständnis & Inhalt

Minotaure verstand sich als Forum der surrealistischen Revolution und präsentierte originale Arbeiten von Künstlern wie Salvador Dalí, Max Ernst, Joan Miró, Henri Matisse, Pablo Picasso oder Yves Tanguy in luxuriöser Aufmachung. Das Angebot umfasste auch Textbeiträge (u.a. von Paul Éluard und Tristan Tzara) und Werke von zu diesem Zeitpunkt unbekannten Künstlern wie Hans Bellmer, Victor Brauner, Paul Delvaux, Alberto Giacometti, Roberto Matta und Abraham Rattner. Seinen Titel hat das Magazin in Anlehnung an Arbeiten des Grafikers André Masson, der sich im 20. Jahrhundert mit dem Minotauros und den ihn umgebenden Mythos beschäftigte. Neben Beiträgen verschiedener Künstler, gab es in Minotaure Reflexionen über Themen wie Kunst, Architektur, Film, Wissenschaft und Literatur. Auch vergangene Epochen und Stile wurden unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachtet und diskutiert. Abgerundet wurde der Inhalt durch Reiseberichte und interdisziplinäre Arbeiten, in denen Poeten, Maler, Grafiker und Typografen gemeinsame Werte schufen.

Finanzierung

Neben den 25 Franc, die eine Ausgabe kostete, wurde Minotaure durch verschiedene Mäzenen finanziert. Einer davon war der britische Multimillionär und Kunstsammler Edward James (1907-1984). James war Förderer verschiedener Künstler des Surrealismus und trug auch eigene poetische Werke zu Minotaure bei. Bekannt ist Edward James auch dafür, dass er mit Salvador Dalí (1904-1989) Italien bereiste und den Spanier als seinen Protegé förderte. Seine Lebenswerke sind jedoch Las Pozas, ein surrealistischer Skulpturengarten im Regenwald von Mexiko, und die noch heute existierende, gemeinnützige Edward James Foundation.

Der surrealistische Skulpturengarten Las Pozas in Mexiko von Minotaure-Mäzen Edward James
Der surrealistische Skulpturengarten Las Pozas in Mexiko von Minotaure-Mäzen Edward James
(Lizenz: Rachel McLeod Kaminer, CC BY 2.0)

Geschichte

1933: Gründung

Im Februar 1933 wandte sich der Verleger Albert Skira an André Breton, der bereits La Révolution surréaliste publiziert hatte, um die Idee einer neuartigen Zeitschrift zu besprechen, die über moderne Kunst und Architektur berichten sollte. Bereits in Juni erschienen die ersten beiden Ausgaben für 800 Abonnenten. Für die Gestaltung der Titel konnten Pablo Picasso und Gaston Louis Roux gewonnen werden.

1935: Steigender Einfluss der Surrealisten

Ab 1935 wirkten surrealistische Künstler kontinuierlich an Minotaure mit und hatten das Magazin mit der 10. Ausgabe quasi völlig übernommen.

1938: Politisierung

Entgegen seiner ursprünglichen Absprache mit Skira, nutze Breton die Zeitschrift während des spanischen Bürgerkrieges für seine politischen Interessen. So wandte er sich 1938 gegen Salvador Dalí und Paul Éluard, was zum Ausschluss der beiden Künstler aus der Riege der Surrealisten führte.

1939: Ende

Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zwang Albert Skira das Magazin einzustellen. Die letzte Ausgabe erschien genau sechs Jahre nach der Gründung im Februar 1939.

Ein von Picasso gezeichneter Minotaure
Ein von Picasso gezeichneter Minotaure (Lizenz: jmussuto, CC BY 2.0)

Vorgänger & Nachfolger

Minotaure war nicht das einzige surrealistische Magazin. Ebenfalls erwähnenswert sind:
  • Littérature (1919-1924) von Louis Aragon, André Breton und Philippe Soupault
  • La Révolution surréaliste (1924-1929) von Breton, Pierre Naville und Benjamin Péret
  • Documents (1929-1930) von Georges Bataille
  • Acéphale (1936-1939) von Bataille, Pierre Klossowski und André Masson
  • View (1940-1947) von Charles Henri Ford und Parker Tyler
  • VVV (1942-1944) von David Hare, Marcel Duchamp, André Breton und Max Ernst
André Breton 1923
André Breton 1923, 10 Zahn vor Gründung von Minotaure

Einfluss & Wirkung

Minotaure war eines der ersten (vielleicht das erste) Magazin, dass mit der traditionellen Technik, den Leser gezielt zu lenken, gebrochen hat. Stattdessen wollten die Produzenten dem Leser zwischen Fotografien, Grafiken und Texten die Möglichkeit zu eigenen Gedanken und Interpretationen geben. Damit trug Minotaure zur Begründung der modernen Medienästhetik bei.

Der dauerhafte Einfluss von Minotaure zeigt sich auch daran, dass er heute in den Sammlungen vieler Museen auftaucht:
Die zerrinnende Uhr von Salvador Dali wird als surrealistisches Werk im Museum of Modern Art ausgestellt.
Im MoMA wird Minotaure neben surrealistischen Meisterwerken wie Salvador Dalis "Die zerrinnende Uhr" ausegstellt. (Lizenz: Jimmy Baikovicius, CC BY-SA 2.0)